Der VfL Wolfsburg ist zurück in der 2. Bundesliga – und gleich zum Auftakt wurde deutlich, was die Mannschaft in dieser Saison erwartet. Vor rund 25.500 Zuschauern in der Volkswagen Arena trennten sich die Wölfe am Samstagabend mit 0:0 vom 1. FC Kaiserslautern. Während auf dem Rasen noch einiges an Arbeit wartet, konnte sich der Rahmen rund um das Spiel absolut sehen lassen.

Schon Stunden vor dem Spiel war Wolfsburg grün

Der eigentliche Spieltag begann für viele VfL-Fans nicht erst um 20:30 Uhr. Bereits ab Mittag trafen sich zahlreiche Anhänger rund um den Kaufhof und das Glasdach in der Wolfsburger Innenstadt. Das ausgegebene Motto war eindeutig: Alle in Grün!

Und viele hielten sich daran. Trikots, Shirts und andere grüne Kleidungsstücke bestimmten das Bild und sorgten schon Stunden vor dem Anpfiff dafür, dass man merkte: Jetzt beginnt eine neue Saison – und gleichzeitig ein völlig neues Kapitel in der 2. Bundesliga.

Am späten Nachmittag setzte sich schließlich der angekündigte Fanmarsch in Richtung Volkswagen Arena in Bewegung. Rund 3000 VfL-Anhänger sollen sich am Marsch beteiligt haben. Über die Friedrich-Ebert-Straße ging es gemeinsam zum Stadion.

Gerade nach dem Abstieg war diese Aktion ein wichtiges Zeichen. Statt Tristesse und dauerhaftem Blick zurück sollte der Saisonstart zeigen: Wir sind da – und wir gehen diesen Weg gemeinsam.

Lautern kommt mit einer beeindruckenden Zahl an Fans

Dass der 1. FC Kaiserslautern einen großen Auswärtsanhang mit nach Wolfsburg bringen würde, war bereits Tage vorher klar. Das offizielle Gästekontingent von 2.776 Karten war innerhalb kürzester Zeit vergriffen. Viele FCK-Anhänger kauften anschließend Karten in angrenzenden Bereichen der Volkswagen Arena.

So dürften am Ende mehr als 5.000 Lauterer in Wolfsburg gewesen sein. Einzelne Berichte sprechen sogar von 5.000 bis 6.000 Gästefans.

Optisch war das ebenfalls kaum zu übersehen: Während auf Wolfsburger Seite Grün dominierte, präsentierten sich die Gäste ganz ihrem Motto entsprechend überwiegend in Rot.

Und auch akustisch machten die Lauterer von Beginn an deutlich, warum der FCK für seinen reisefreudigen Anhang bekannt ist.

Choreo und volle Kurven zum Saisonstart

Beim Einlaufen der Mannschaften wurde es dann noch einmal richtig laut. Die Nordkurve hatte sich für den Saisonauftakt vorbereitet und präsentierte zum Beginn der neuen Spielzeit eine Choreografie.

Unabhängig davon, wie man einzelne Aktionen bewertet: Das Gesamtbild passte. Grün auf der einen, Rot auf der anderen Seite, eine gut gefüllte Volkswagen Arena und zwei Fanlager, die Lust auf Fußball hatten.

Genau solche Spiele zeigen auch, was die 2. Bundesliga ausmacht. Vereine wie Kaiserslautern bringen eine enorme Anhängerschaft mit – und für Wolfsburg bedeutet das gleichzeitig, dass auch auf den Rängen bei vielen Spielen noch einmal eine andere Herausforderung wartet.

Kaiserslautern beginnt gefährlicher

Sportlich erwischte zunächst der FCK den besseren Start.

Bereits nach wenigen Minuten musste der erst 18-jährige Jakub Zielinski im Wolfsburger Tor aufmerksam sein. Besonders Naatan Skyttä sorgte früh für Gefahr. In der 13. Minute kam Simon Asta völlig frei zum Kopfball, setzte diesen jedoch über das Tor.

Der VfL brauchte etwas, um in die Partie zu finden.

Nach ungefähr 15 bis 20 Minuten übernahmen die Wölfe jedoch zunehmend die Kontrolle. Besonders Muhammed Damar und Fabian Reese sorgten dafür, dass das Spiel nun immer häufiger in Richtung Lauterer Tor lief.

Damar probierte es mehrfach aus der Distanz, Reese zwang FCK-Torwart Julian Krahl ebenfalls zu einer Parade.

Hornby und Wahl ganz dicht am 1:0

Die größte Wolfsburger Gelegenheit folgte in der 35. Minute.

Fabian Reese setzte sich über die Seite durch und brachte den Ball gefährlich zurück in den Strafraum. Fraser Hornby kam zum Abschluss, doch Maxwell Gyamfi rettete in höchster Not unmittelbar vor der Linie.

Nur wenige Minuten später fehlten erneut Zentimeter.

Hauke Wahl traf mit einem Volley lediglich den Außenpfosten.

In dieser Phase hätte sich der VfL die Führung durchaus verdient gehabt. Wolfsburg hatte das Spiel übernommen, setzte Kaiserslautern unter Druck und zeigte erstmals, welches spielerische Potenzial in der neu zusammengestellten Mannschaft steckt.

Mit 0:0 ging es dennoch in die Kabinen.

Nach der Pause verliert der VfL den Faden

Wer gehofft hatte, dass Wolfsburg nach der Pause dort weitermachen würde, wo die Mannschaft vor dem Seitenwechsel aufgehört hatte, wurde enttäuscht.

Kaiserslautern kam wesentlich aggressiver aus der Kabine, presste früher und schaffte es dadurch, den Wolfsburger Spielaufbau immer wieder zu stören.

In der 56. Minute war plötzlich Skyttä frei durch.

Doch Zielinski blieb im Eins-gegen-eins ruhig und verhinderte mit einer starken Parade das 0:1.

Auch der eingewechselte Ibrahim Kanaté prüfte den jungen Wolfsburger Schlussmann später noch einmal.

Gerade Zielinski war damit einer der Gewinner des Abends. Mit gerade einmal 18 Jahren in einem solchen Spiel zum Saisonauftakt zwischen den Pfosten zu stehen und mehrfach entscheidend einzugreifen, verdient Anerkennung.

Von Glatzel kam noch zu wenig

Von Robert Glatzel war bei seinem ersten Pflichtspiel für den VfL dagegen noch relativ wenig zu sehen.

Das ist allerdings auch kein Grund, nach gerade einmal einem Spiel bereits irgendwelche großen Schlussfolgerungen zu ziehen. Die Mannschaft wurde in diesem Sommer auf vielen Positionen verändert. Sechs Neuzugänge standen gegen Kaiserslautern direkt in der Startelf.

Dass dabei noch nicht jede Laufbewegung und jede Abstimmung funktionieren kann, sollte eigentlich niemanden überraschen.

Nach 68 Minuten reagierte Tobias Strobl und brachte Kento Shiogai für Glatzel sowie Alessio Besio für Hornby. Später kamen auch Maximilian Arnold, Yannick Gerhardt und Mattias Svanberg in die Partie.

Den entscheidenden Treffer brachten aber auch die Wechsel nicht.

Ein Punkt – und jede Menge Arbeit

Nach 90 Minuten stand somit ein 0:0.

Natürlich hatte man sich zum Saisonauftakt einen Sieg gewünscht. Gerade zu Hause und mit dem Ziel Wiederaufstieg möchte der VfL solche Spiele möglichst gewinnen.

Aber Kaiserslautern ist auch kein Gegner, den man mal eben nebenbei aus der Arena schießt.

Der FCK zeigte insbesondere zu Beginn und nach der Pause, warum die Mannschaft in dieser Saison ebenfalls für viele Gegner unangenehm werden dürfte.

Beim VfL wiederum waren vor allem die rund 25 Minuten vor der Halbzeit vielversprechend. In dieser Phase sah man gute Kombinationen, Tempo und einige Ansätze von dem Fußball, den Tobias Strobl spielen lassen möchte.

Die zweite Hälfte zeigte allerdings genauso deutlich, woran noch gearbeitet werden muss.

Stimmung: Lautern stark – Wolfsburg muss sich nicht verstecken

Auf den Rängen durfte man ebenfalls gespannt sein.

Mit über 5.000 Gästefans war Lautern erwartungsgemäß laut und präsent. Der Gästeanhang hatte aufgrund seiner Größe natürlich einen erheblichen Anteil an der Atmosphäre in der Arena. Selbst FCK-Trainer Torsten Lieberknecht hob nach dem Spiel die Unterstützung der mitgereisten Fans ausdrücklich hervor.

Aber auch auf Wolfsburger Seite war gerade rund um den Fanmarsch und zu Beginn der Partie viel Energie vorhanden.

Genau daran muss man anknüpfen.

Die Saison wird lang genug und es wird Spiele geben, in denen es auf dem Rasen nicht funktioniert. Gerade dann sollte die Nordkurve zeigen, dass ein Abstieg nicht bedeutet, dass sich Wolfsburg verstecken muss.

Unser Stadionfazit

Unabhängig vom torlosen Ergebnis war der Saisonauftakt rund um die Volkswagen Arena gelungen.

Fanmarsch: stark
Optisches Bild: stark
Gästeanhang: sehr stark
Stimmung: gut, mit Luft nach oben
Sportliches Erlebnis: ordentlich, aber ohne den erhofften Höhepunkt

Vor allem das Aufeinandertreffen der beiden Fanlager gab einen ersten Vorgeschmack darauf, was Wolfsburg in dieser Saison erwartet.

Kaiserslautern war dabei sicherlich eines der größeren Kaliber – aber mit Hannover, Nürnberg, Hertha, St. Pauli, Bochum, Braunschweig und weiteren Vereinen warten noch einige Spiele, bei denen auch auf den Rängen richtig etwas los sein dürfte.

Fazit: Nicht alles schlechtreden

Nach einem 0:0 zum Auftakt werden natürlich wieder diejenigen kommen, die bereits nach einem Spiel alles infrage stellen.

Dazu besteht überhaupt kein Grund.

Diese Mannschaft ist neu zusammengestellt. Viele Spieler standen erstmals gemeinsam in einem Pflichtspiel auf dem Platz. Gleichzeitig hatte Wolfsburg mit Kaiserslautern direkt einen Gegner vor der Brust, der keineswegs nur zum Zuschauen angereist war.

Die erste Halbzeit hatte gute Ansätze. Die zweite war deutlich schwächer. Zielinski hielt den Punkt fest.

Mehr ist nach dem ersten von 34 Spieltagen zunächst nicht passiert.

Jetzt heißt es: analysieren, weiterarbeiten und beim nächsten Spiel die nächsten Schritte machen.

Denn eines hat dieser Samstag trotz des fehlenden Tores gezeigt:

Wolfsburg hat Bock auf diese Saison. Jetzt muss die Mannschaft dafür sorgen, dass dieser Funke auch auf dem Platz immer häufiger überspringt.