Was für ein unfassbares DFB-Pokalspiel! Der VfL Wolfsburg entgeht gegen die VSG Altglienicke nur ganz knapp einer riesigen Pokal-Blamage. Dreimal geraten die Wölfe in Rückstand, dreimal kämpfen sie sich zurück. Nach 120 dramatischen Minuten steht es 3:3 – im Elfmeterschießen behält der VfL schließlich mit 6:5 die Nerven und zieht in die nächste Runde ein.

Wer vor dem Spiel mit einem deutlichen Sieg des VfL Wolfsburg gerechnet hatte, dürfte an diesem Abend mehrfach ungläubig auf den Spielstand geschaut haben. Auf dem Papier war die Rollenverteilung eigentlich klar – auf dem Platz entwickelte sich jedoch ein echter Pokalfight, der dramatischer kaum hätte verlaufen können.

Dabei zeigen gerade die Statistiken, wie überlegen der VfL über weite Strecken eigentlich gewesen ist. 33:9 Schüsse, davon 18:5 Torschüsse, sprechen eine deutliche Sprache. Auch beim Ballbesitz lagen die Wolfsburger mit 76 Prozent gegenüber 24 Prozent klar vorne.

Doch wie so häufig im Pokal zählt am Ende nicht die Statistik, sondern das, was auf der Anzeigetafel steht.

Altglienicke schockt den VfL früh

Bereits in der 6. Minute sorgte Jonas Nietfeld für die erste große Überraschung und brachte Altglienicke mit 1:0 in Führung.

Wolfsburg benötigte lange, um darauf die richtige Antwort zu finden. Erst nach dem Seitenwechsel gelang Maximilian Arnold in der 55. Minute der erlösende Ausgleich zum 1:1.

Wer nun dachte, dass der VfL das Spiel drehen und seiner Favoritenrolle gerecht werden würde, sah sich jedoch getäuscht.

In der 71. Minute brachte Jonas Saliger die Gastgeber erneut in Führung.

Doch wieder war es Maximilian Arnold, der Verantwortung übernahm. Der VfL-Kapitän traf in der 83. Minute zum 2:2 und rettete Wolfsburg damit zunächst in die Verlängerung.

Auch in der Verlängerung wieder im Rückstand

Doch selbst dort wurde es nicht einfacher.

In der 109. Minute traf Mehmet Ibrahimi zum 3:2 für Altglienicke. Zum dritten Mal an diesem Abend lag der VfL Wolfsburg gegen den Außenseiter zurück.

Eine Situation, mit der vor dem Spiel wohl kaum jemand gerechnet hätte.

Doch die Wölfe gaben sich weiterhin nicht geschlagen.

In der 117. Minute war es schließlich Hauke Wahl, der mit seinem Treffer zum 3:3 dafür sorgte, dass dieser unglaubliche Pokalabend tatsächlich noch ins Elfmeterschießen ging.

Statistisch klar überlegen – auf dem Platz trotzdem ein Krimi

Wie ungewöhnlich dieser Spielverlauf war, zeigt ein Blick auf die Statistik bis zum Beginn des Elfmeterschießens:

  • Schüsse: Altglienicke 9 – 33 Wolfsburg
  • Torschüsse: Altglienicke 5 – 18 Wolfsburg
  • Ballbesitz: Altglienicke 24 % – 76 % Wolfsburg
  • Gelbe Karten: 2 – 2
  • Rote Karten: 0 – 0
  • Abseits: Altglienicke 3 – 2 Wolfsburg
  • Eckbälle: Altglienicke 3 – 16 Wolfsburg

Besonders 33 Abschlüsse und 16 Eckbälle zeigen, wie viel Druck Wolfsburg entwickeln konnte. Trotzdem schaffte es Altglienicke mit gerade einmal fünf Torschüssen, dreimal zu treffen.

Genau das machte diesen Abend aus Wolfsburger Sicht so nervenaufreibend.

Elfmeterschießen wird zum nächsten Nervenspiel

Und natürlich konnte ein solches Spiel nicht einfach mit einem kurzen Elfmeterschießen enden.

Für Altglienicke trafen zunächst Emeka Oduah, Noah Can, Philip Türpitz und Ali Eren Ersungut. Auf Wolfsburger Seite verwandelten Hauke Wahl, Muhammed Damar und Maximilian Arnold, ehe Fabian Reese seinen Versuch vergab.

Danach wurde es endgültig zum Nervenspiel.

Sven Sonnenberg scheiterte für Altglienicke, während Alessio Besio und Elvis Rexhbecaj für Wolfsburg verwandelten. Nikos Zografakis hielt Altglienicke anschließend im Rennen.

Dann vergab Mehmet Ibrahimi seinen Elfmeter.

Damit bekam Wolfsburg die Chance, diesen völlig verrückten Abend endlich zu beenden – und Kilian Fischer nutzte sie.

6:5 im Elfmeterschießen. Der VfL Wolfsburg ist eine Runde weiter.

Erleichterung überwiegt – aber es gibt einiges aufzuarbeiten

Am Ende zählt im DFB-Pokal zunächst nur das Weiterkommen. Und genau das hat der VfL geschafft.

Trotzdem dürfte dieses Spiel noch für reichlich Gesprächsstoff sorgen. Gegen einen Gegner wie Altglienicke dreimal in Rückstand zu geraten und trotz einer statistisch enormen Überlegenheit bis ins Elfmeterschießen gehen zu müssen, kann nicht der Anspruch des VfL Wolfsburg sein.

Umso wichtiger war an diesem Abend die Moral der Mannschaft.

Maximilian Arnold hielt den VfL mit seinen beiden Treffern im Spiel, Hauke Wahl rettete die Wölfe kurz vor Ende der Verlängerung ins Elfmeterschießen. Dort bewies der VfL schließlich die besseren Nerven.

Ein hoher und souveräner Pokalsieg, mit dem wahrscheinlich viele Wolfsburger gerechnet hatten, wurde es nicht.

Stattdessen bekamen die Fans einen Pokalkrimi geboten, den wohl niemand so erwartet hätte.

Dreimal Rückstand. Dreimal zurückgekommen. Verlängerung. Elfmeterschießen. Am Ende zählt nur eines: Der VfL Wolfsburg steht in der nächsten Runde des DFB-Pokals.

Aber eines ist ebenfalls klar: So viel Glück sollte man in der nächsten Runde besser nicht noch einmal benötigen.