Eigentlich sollte man erwarten, dass eine erfahrene Sportredaktion in der Lage ist, Ablösesummen und Kaderwerte sachlich einzuordnen. Stattdessen wird erneut ein Vergleich konstruiert, der vor allem eines bezweckt: den VfL Wolfsburg schlecht dastehen zu lassen und möglichst viele Reaktionen zu provozieren.

Dženan Pejčinović wechselt für rund 25 Millionen Euro zum VfB Stuttgart. SPORT1 stellt diese Ablöse nun den geschätzten Kaderwerten von Hertha BSC und neun weiteren Zweitligisten gegenüber.

Was genau soll uns dieser Vergleich sagen?

Eine Ablösesumme ergibt sich aus dem Alter und Potenzial eines Spielers, seiner Vertragslaufzeit, der sportlichen Nachfrage sowie den Verhandlungen zwischen zwei Vereinen. Der Kaderwert eines kompletten Zweitligisten hingegen ist lediglich eine geschätzte Momentaufnahme. Beides miteinander zu vergleichen, ist sportlich ohne jeden Aussagewert.

Selbstverständlich verfügt der VfL nach Jahren in der Bundesliga über Spieler mit höheren Marktwerten als viele Akteure anderer Zweitligisten. Der Verein hat über lange Zeit auf einem anderen finanziellen und sportlichen Niveau agiert. Dass für einen erst 21-jährigen Angreifer eine hohe Ablöse erzielt wird, ist keine negative Schlagzeile, sondern schlicht ein sehr gutes Verhandlungsergebnis für den VfL.

Anstatt dies sachlich einzuordnen, werden Kaderwerte anderer Vereine ins Feld geführt, als hätte der VfL etwas Verwerfliches getan. Dabei belegt die Ablöse lediglich, welchen Wert Stuttgart in Pejčinović sieht – und wie erfolgreich Wolfsburg verhandelt hat.

Selbstverständlich lässt sich der VfL kritisieren – dafür gab und gibt es genügend berechtigte Anlässe. Mit seriösem Sportjournalismus haben solche künstlich aufgebauschten Vergleiche jedoch wenig gemein. Sie liefern billige Schlagzeilen und bedienen einmal mehr das übliche Wolfsburg-Bashing.

25 Millionen Euro für Dženan Pejčinović sind ein starkes Ergebnis für den VfL. Punkt.